Manche Heldinnen kämpfen ihre Schlachten in kleinen Apartments, überfüllten Restaurants und in den stillen Stunden vor einer leeren Seite. Casey Peabody aus Writers and Lovers von Lily King gehört genau zu diesen Heldinnen.
Sie ist Anfang dreißig, verschuldet, arbeitet als Kellnerin und versucht seit Jahren, ihren ersten Roman zu beenden. Gleichzeitig trägt sie die Trauer um den Verlust ihrer Mutter mit sich herum.
Casey ist keine klassische „starke“ Figur im literarischen Sinne. Sie ist unsicher, zweifelnd, manchmal chaotisch und gerade deshalb wirkt sie so unglaublich real.
Doch wie stark ist Casey wirklich als literarische Heldin?
Um das herauszufinden, bewerte ich sie nach fünf Kriterien meines Heldinnen-Ranking.
Casey Peabody im Heldinnen-Ranking
Innere Stärke
Caseys Leben ist geprägt von Unsicherheit.
Finanzielle Sorgen, berufliche Sackgassen und der Druck, einen Roman zu schreiben, der vielleicht nie fertig wird, begleiten sie durch einen Großteil der Geschichte. Und trotzdem hält sie an ihrem Traum fest.
Caseys innere Stärke liegt genau darin: Sie gibt ihren Traum nicht auf, auch wenn alles dagegen spricht.
Handlungsmacht
Casey wirkt oft, als würde sie vom Leben überrollt werden. Doch trotz aller Unsicherheit trifft sie wichtige Entscheidungen selbst. Besonders in ihren Beziehungen wird deutlich, dass sie versucht herauszufinden, was sie wirklich will – und nicht nur, was von ihr erwartet wird. Auch ihre Entscheidung, weiterhin an ihrem Roman zu arbeiten, obwohl der Erfolg alles andere als sicher ist, zeigt eine klare Form von Handlungsmacht.
Sie gestaltet ihr Leben vielleicht manchmal zögerlich, aber sie gestaltet es selbst.
Emotionale Tiefe
Hier liegt die größte Stärke dieser Figur.
Casey gehört zu den emotional komplexesten Protagonistinnen der zeitgenössischen Literatur. Ihre Gedanken, Zweifel und Ängste werden mit einer Ehrlichkeit dargestellt, die manchmal fast schmerzhaft ist.
Ihre Trauer, ihre Selbstzweifel und ihr Wunsch nach einem sinnvollen Leben wirken zutiefst menschlich.
Gerade diese emotionale Offenheit macht Casey zu einer Figur, mit der sich sicher viele Leserinnen stark identifizieren können.
Resilienz
Caseys Resilienz zeigt sich vor allem in ihrer Beharrlichkeit. Sie lebt in einer Phase ihres Lebens, in der vieles ungewiss ist: ihre Karriere, ihre Beziehungen, ihre Zukunft als Schriftstellerin. Doch trotz all dieser Unsicherheiten bleibt sie in Bewegung. Sie schreibt weiter. Sie versucht weiter zu verstehen, was sie wirklich will. Und sie steht immer wieder auf, wenn Selbstzweifel sie ausbremsen.
Wirkung
Casey Peabody ist keine Heldin, die eine Welt verändert. Doch sie hat eine andere Form von Wirkung: Sie zeigt, wie sich das Leben in den Jahren anfühlen kann, in denen vieles noch offen ist.
Für viele Leserinnen kann Casey deshalb zu einer Figur werden, die lange im Gedächtnis bleibt. Nicht weil sie außergewöhnlich ist, sondern weil sie so ehrlich und menschlich wirkt.